Einmal im Jahr das Geschlecht wechseln – bald möglich?

Die Bundesregierung will es Kindern und Jugendlichen ermöglichen, ihren Geschlechtseintrag auf dem Standesamt zu ändern. Sie ignoriert damit die Warnungen zahlreicher Ärzte, dass künftig tausende Teenager ohne gefestigte Identität aber bestärkt durch den neuen Ausweis in ihrer Tasche auch die medizinische Geschlechtsumwandlung fordern und durchsetzen werden.


Auf einer Pressekonferenz am Donnerstagvormittag hat die Bundesregierung ein gemeinsames Eckpunktepapier zum geplanten Selbstbestimmungsgesetz vorgestellt, das das 40 Jahre alte Transsexuellengesetz ablösen soll. Wesentliche Neuerungen der bisher bekannten Gesetzesentwürfe der jeweiligen Regierungsparteien sind darin nicht enthalten. Der Personenstandswechsel, die Änderung des Namens und des Geschlechtseintrags, soll künftig ohne psychiatrische Begutachtung per Selbstauskunft auf dem Standesamt möglich sein. Jugendliche unter 18 Jahren benötigen dafür die Zustimmung ihrer Eltern. Im Konfliktfall sollen Familiengerichte im Sinne des Kindeswohls entscheiden. Das Gesetz soll noch in diesem Jahr verabschiedet werden. Die Zustimmung des Bundesrats ist nicht nötig.

Die Bundesfamilienministerin Lisa Paus (Grüne) und Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) umschifften den umstrittensten Punkt – nämlich, dass Kinder nun noch leichter in den Sog der vollkommenen Identitätsverwirrung geraten, wenn sie bereits ab 14 Jahren ihren Geschlechtseintrag selbständig ändern lassen können. Keine ernsthafte Beachtung fand die Warnung zahlreicher Ärzte, dass der juristischen Änderung des Geschlechts oftmals medizinische geschlechtsangleichende Maßnahmen folgen würden, und dies in einem Alter, in dem die Kinder die Folgen der Eingriffe und die Dauerhaftigkeit ihres Identitätsempfindens noch nicht abschätzen könnten.

Was Regierungslinie bedeutet, konnte man in der Pressekonferenz erleben. Nahezu wortgleich wiederholte Buschmann einen Satz aus dem Beitrag „Homo- und Transfeindlichkeit ist keine Meinung – sondern Menschenfeindlichkeit“ in der Welt, verfasst vom Queerbeauftragten der Regierung, Sven Lehmann (Grüne): „Wer glaubt allen Ernstes, dass sich Menschen den Wechsel ihres Geschlechtseintrags oder sogar körperliche Veränderungen aus Jux und Dollerei antun?“ Mit dieser rhetorischen Frage wollte der Queerbeauftragte in der tobenden Mediendebatte zum Selbstbestimmungsgesetz die Kritiker in die Schranken weisen. Es sei vielmehr ein „beschwerlicher Weg der Anerkennung des eigenen Ichs“, denn Trans Menschen seien „jeden Tag Ziel von verbalen oder körperlichen Attacken, Ausgrenzung und Mobbing“. Wer nicht Lehmanns Meinung ist, dem attestiert der Staatssekretär kurzerhand Trans- und Menschenfeindlichkeit.

Medizinisch ist ein derartiger Anstieg nicht zu erklären“

Nun geht es aber nicht um einzelne Transgender-Patienten, die vielleicht noch wie vor einigen Jahren nach einer lebenslangen Leidensgeschichte und reiflichem Durchdenken der zu erwartenden Konsequenzen ihre Geschlechtsumwandlung ohne viel Aufhebens durchführen ließen. Diesen Wenigen mag man nun wahrlich nicht eine aus der Laune heraus getroffene Entscheidung unterstellen. Sondern es geht um die Opfer des Transgender-Hypes. Tausende Mädchen allein in Deutschland sprengen die Wartelisten der Gender-Kliniken, weil sie eine Geschlechtsumwandlung wollen. Sie stecken mitten in der Pubertät und sind mehr oder weniger spontan zu der Überzeugung gelangt, im „falschen Körper“, im „falschen Geschlecht“ zu leben. Sie fordern Pubertätsblocker und gegengeschlechtliche Hormone und sehnen den Tag ihrer Mastektomie, der Amputation ihrer Brüste, herbei. Mit der Trans-Lobby im Rücken, bei der sie im Internet Problemlos Anschluss und Zuspruch finden, bestehen sie gegenüber ihren Eltern auf ihrer selbst getroffenen Diagnose, trans zu sein.

Die Berliner Geschlechtermedizinerin Renate Försterling spricht von einem zehn- bis zwanzigfachen Anstieg bei Mädchen in den vergangen Jahren, die einen anderen Körper wollen (FAZ 30. Juni 2022: Das Schweigen über den Sexus). Sie habe Patientinnen vor sich, denen die Idee eher spontan gekommen sei, die auffallen wollten und sich ausgefallene Fantasienamen wünschten: „Ein Mädchen wollte so sein wie der Typ, den sie am Wochenende gesehen und irgendwie toll gefunden hatte“. Es gebe definitiv einen Hype, sagt die Sexualmedizinerin Aglaja Stirn gegenüber der FAZ, medizinisch sei ein derartiger Anstieg gar nicht zu erklären.

Die Geschlechtsumwandlung wird jubelnd begrüßt

Vergleichbare Beobachtungen ergänzen sich in der gesamten westlichen Welt zu einem Gesamtbild, dem die amerikanische Medizinprofessorin Lisa Littmann den Namen Rapid Onset Gender Dysphoria gegeben hat. Littman hat beobachtet, dass untereinander befreundete Teenager, die zuvor nicht mit ihrer Geschlechtsidentität gehadert hatten, relativ plötzlich und zeitnah nacheinander mit den Transgender-Selbstdiagnosen bei ihr und weiteren Ärzten vorstellig wurden. Soziale Ansteckungsphänomene, die bereits für Mädchengruppen im Zusammenhang mit Magersucht oder selbstverletzendem Verhalten wie dem Ritzen beschrieben sind, befeuern neben der queeren Propaganda aus dem Internet ihrerseits die grassierende Trans-Mode. Die Entscheidende Gemeinsamkeit neben der sozialen Ansteckung seien jedoch psychische Krankheiten wie Depressionen oder Angststörungen, die bei den meisten Mädchen zuvor diagnostiziert waren.

Lehmann verfolgt die Transgender-Debatte aufs Genaueste. Er liest die zahlreichen mahnenden Beiträge von Alexander Korte, dem Jugendpsychiater aus München, der zum berühmtesten Kritiker des Selbstbestimmungsgesetzes geworden ist. Lehmann weiß, dass die Mädchen, die ihren Körper hassen und mit einer radikalen Zäsur alle Probleme hinter sich lassen wollen, in tiefen seelischen Nöten stecken. So gesehen steht kein Mädchen aus „Jux und Dollerei“ bei Försterling und Korte im Behandlungszimmer, auch wenn die spontanen und teils wirren Selbstdiagnosen und Geschichten an pubertäre Launen erinnern. Doch genau das macht Lehmanns Äußerung so perfide. Indem er die Nöte der Mädchen scheinbar ernst nimmt, unterstellt er all jenen, die die Selbstdiagnosen der jungen Patientinnen hinterfragen wollen, eine transfeindliche Grundeinstellung. Gleichzeit erhebt er für sich den Anspruch genau zu wissen, dass ein junger Mensch, der zu dieser folgenreichen Einschätzung über seine Identität und sein weiteres von medizinischen Eingriffen geprägten Leben gefunden hat, im Vollbesitz seiner Urteilsfähigkeit ist. Da kein Mädchen aus Spaß diesen Weg geht, wird ihre getroffene Selbstdiagnose schon richtig sein. Das Mädchen ist auf ihrem Weg in die Transition weiter zu begleiten, notfalls gegen den Willen der Eltern, so der Tenor in Lehmanns Aussagen, was zugleich der Linie der Bundesregierung entspricht.

Natürlich, einfach so aus einem spontanen Einfall heraus hassen die Mädchen ihren weiblichen Körper nicht. Der Initialkontakt mit dem Trans-Hype ist ein Auslöser, der auf eine tieferliegende seelische Erkrankung trifft. Dasselbe Mädchen, das in den 1990ern vielleicht mit einer Anorexie ihre Weiblichkeit bekämpft hätte bis zur vollkommenen Selbstauflösung, das in den 2000ern im Zuge der Emo-Welle in autoaggressiven Anfällen ihre Unterarme mit einer Rasierklinge zerschnitten hätte, adaptiert nun die Muster der Trans-Mode. Sie findet in der Trans-Gemeinschaft eine Ersatzfamilie und volle Anerkennung, sie wird mit offenen Armen empfangen und jeder einzelne Transitions-Schritt wird jubelnd begrüßt. Das geht solange gut, solange sie sich an die Regeln hält und weiter transitioniert. Zweifel an dem eingeschlagenen Weg sind nicht vorgesehen.

Sogar mit Selbstmorddrohungen erzwingen Trans-Kinder die Einwilligung ihrer Eltern

Die psychisch verunsicherten Mädchen, die den Schönheitsidealen und weiblichen Pubertätsproblemen entkommen wollten, geraten vom Regen in die Traufe. Sie werden zum Spielball der Trans-Bewegung. Viele sind darunter, die keine intakte Bindung zu ihren Eltern und keinen stabilen familiären Rückzugsraum haben. Ihnen fehlt die liebevolle Grenzziehung von Eltern, die sich wirklich um ihre Kinder sorgen, wobei es nicht nur um die Grenzen an sich geht, sondern auch um die implizite Botschaft: „Du bist mir wichtig, ich habe dich lieb, ich möchte nicht, dass dir etwas zustößt.“

Eine Anorexie, Drogenkonsum, Ritzen und auch die Trans-Mode sind jugendkulturelle Ausdrucksformen von Identitätsstörungen, die meist familiendynamische Ursachen haben. Die Transgender-Ersatzfamilie nutzt gezielt dieses psychische Einfallstor. Sie haben ein gutes Gespür dafür, wie in eine belastete und brüchige Eltern-Kind-Beziehung vollends ein Keil der Entzweiung getrieben werden kann. Die Mädchen werden mit Argumenten Ausgestattet, um damit gegenüber Eltern und kritischen Ärzten ins Feld zu ziehen. Es geht soweit, dass die Kinder mit Selbstmord drohen. Die Trans-Lobby zieht die leicht zu manipulierenden Mädchen in ein emotionales Abhängigkeitsverhältnis und macht sie zum vollwertigen Mitglied der Trans-Bewegung und damit auch zum Beleg für die Bedeutung dieser Bewegung. Der Homosexuellen-Bewegung hat man längst den Rang abgelaufen, vermutlich auch in der finanziellen Förderung.

Es ist Augenwischerei, wenn Buschmann in der Pressekonferenz so wie zuvor Lehmann mehrfach behaupten, das geplante Gesetz regele nur juristische Fragen und mische sich nicht in medizinische Angelegenheiten. Beiden sind die Warnungen der Ärzte aus den Kliniken bekannt, dass die Jugendlichen, die einmal vor der Klasse, vor ihren Eltern und im Internet vor aller Welt gesagt haben, „ich bin trans“, in aller Regel weitere Schritte gehen und medizinische Maßnahmen fordern. Was nun eine so einfach zu erwirkende Änderung im Ausweis bewirkt, liegt auf der Hand.

Wenn die Eltern den Hormongaben und Operationen nicht zustimmen sollten, plant die Regierung juristische Möglichkeiten für die Teenager, über die Familiengerichte eine medizinische Behandlung auch gegen den Willen ihrer Eltern zu erwirken.

„Es sei Lesern und vor allem den Eltern unter ihnen geraten, den Koalitionsvertrag und die früheren Entwürfe des sogenannten „Selbstbestimmungsgesetzes“ von Grünen und FDP selbst zu prüfen“, schreibt der Politikwissenschaftler Uwe Steinhoff in einer Erwiderung auf Lehmann mit dem Titel: „Warum der gegen uns gerichtete Vorwurf der „Hetze“ unbegründet ist“. Steinhoff zitiert aus einem Gesetzentwurf der Grünen vom 10.6.2020, der genitalverändernde chirurgische Eingriffe ganz klar mit einplant: „Verweigern die sorgeberechtigten Personen [ihre] Einwilligung, so ersetzt das Familiengericht die Einwilligung …“ Für die Hormonbehandlung wiederum wird weder die Einwilligung der Eltern noch die des Familiengerichts verlangt, wie der Entwurf unter „Zusatz 3“ ausdrücklich feststellt.

Das Regenbogenportal des Ministeriums rät uneingeschränkt zu Pubertätsblockern

Trotzdem wiederholt Lehmann permanent, dass 14-Jährige nicht gegen den Willen ihrer Eltern über eine hormonelle und operative Anpassung entscheiden können sollen. Und nicht nur Lehmann, sondern auch sein Parteikollege Volker Beck bestätigte am Mittwoch gegenüber der Welt („Geschlecht ist auch etwas sozial Ausgehandeltes“), dass Jugendliche mit 14 Jahren schon die ausreichende Reife hätten, einen so weitreichenden Schritt zu vollziehen. Die Änderung des Geschlechtseintrags gehe „ja zunächst nicht mit medizinischen Maßnahmen einher.“ Wenn sich ein Jugendlicher das später noch einmal anders überlegen sollte, sei „nicht viel kaputt – außer einem Stück Papier.“

Beck ignoriert die anderslautenden Einschätzungen der Ärzte und genauso die zahlreichen öffentlich zugänglichen Berichte von Mädchen, die ihre Geschlechtsumwandlung zum vermeintlichen Jungen inzwischen bereuen und den Rest ihres Lebens mit einem von Testosteron geschädigten und von Operationen verstümmelten Körper leben müssen. „Medizinische Fragen werden im Selbstbestimmungsgesetz wahrscheinlich gar nicht angesprochen“, mutmaßt Beck. Doch wie Jugendliche sich gegen Eltern durchsetzen können, die andere Ursachen hinter der Identitätsverwirrung ihres Kindes vermuten, weiß der Politiker, der jahrelang für die „Ehe für alle“ gekämpft hat, genau. In Fällen, „wo ein solches Kind von seinen Eltern nicht so akzeptiert wird, wie es ist, braucht es eine Hilfe vom Jugendamt.“

Die Hintergründen der Trans-Mode sind inzwischen hinlänglich bekannt. Die Politik kann sich nicht mehr auf Ahnungslosigkeit berufen. So zeigt sich, wie infiltriert die Parteien von der Trans-Lobby sind. Die ehemalige Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) behauptete auf der Website des Ministeriums, die Wirkung von Pubertätsblockern sei reversibel. Auch das Regenbogenportal des Ministeriums rät ohne jegliche Warnhinweise zum Einsatz von Pubertätsblockern. Die Beobachtungen der Ärzte, die diese Mittel einsetzen, legen den gegenteiligen Schluss nahe. Die unerforschten gesundheitlichen Nebenwirkungen einmal dahingestellt, sei die Blockade der Pubertät das sicherste Mittel, um den Identitätskonflikt psychisch zu manifestieren. Ohne die Blocker würde sich der Identitätskonflikt im Laufe der Pubertät bei fast allen Behandelten von selbst auflösen und eine Aussöhnung mit dem biologischen Geschlecht stattfinden. Die im Jahr 2015 gegründete, sämtliche Ministerien überspannende Arbeitsgruppe Inter- und Transsexualität will jedoch gezielt den gesetzlichen Rahmen dafür schaffen, dass allein das als Geschlecht gelten soll, was der Einzelne wünscht und fühlt.

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