Aufklärungsprojekte und -workshops werden immer häufiger von sogenannten LSBTIQ-Gruppen an Schulen durchgeführt – oft ohne die Anwesenheit des Lehrers. LSBTIQ steht für lesbisch, schwul, bi, transsexuell, intersexuell und queer. Sexuelle Lobbygruppen von LSBTIQ-Personen sind zentrale Agenturen der „Sexualpädagogik der Vielfalt“.Sie wollen LSBTIQ-Lebensweisen vor Kindern „sichtbar“ machen und als gleichberechtigt und gleichwertig mit heterosexuellen Lebensweisen darstellen, Akzeptanz dafür einfordern und „angstfreie Räume der Vielfalt“ schaffen, in denen sie die „sexuelle und geschlechtliche Selbstbestimmung“ der Kinder „stärken“ können. Die persönliche Begegnung mit den Kindern und das Erzählen von sich selbst und der eigenen Sexualität spielt in den Bildungskonzepten dieser Gruppen eine zentrale Rolle. Am liebsten arbeiten LSBTIQ-Gruppen allein mit den Kindern, d.h. ohne Anwesenheit einer Lehrkraft oder Aufsichtsperson. Sie argumentieren, dass die Kinder dann unbefangener und eher bereit seien, auch „heikle“ Fragen ohne falsche Scham zu erörtern.

Erfolgreiche Lobbyarbeit

Die einschlägigen Bildungsangebote dieser LSBTIQ-Aktivisten werden schon seit den frühen Neunziger Jahren v.a. außerschulisch, in zunehmendem Maße aber auch an Schulen und Kitas eingesetzt. Seit 2011 fand eine stärkere Vernetzung der Gruppen auf Bundesebene statt, die 2014 in die Gründung des Interessenverbands „Queere Bildung“ mündete, in dem derzeit nach eigenen Angaben „etwa 50 Projekte und Bildungsinitiativen aus Österreich und Deutschland“ aktiv sind. Man trifft sich regelmäßig in der zentralen LSBTIQ-Bildungsstätte Akademie Waldschlößchen in Niedersachsen zur bundesweiten Vernetzung. Der Verband erfüllt seine Mission, die er neben der Erstellung sexualpädagogischer Konzepte, Methoden und Informationsmaterialien vor allem in der politischen Interessenvertretung sieht, bisher recht erfolgreich. Davon zeugt die flächendeckende Verankerung des Themas „sexuelle Vielfalt“ in den Bildungsplänen und Sexualerziehungsrichtlinien der Bundesländer. Durch diese Aufwertung in den staatlichen Bildungsvorgaben haben LSBTIQ-Gruppen einen enormen Auftrieb erfahren. Die Nachfrage nach ihren Bildungsangeboten steigt an, vielerorts werden neue Mitarbeiterstellen ausgeschrieben.

Zweifelhafter pädagogischer Wert

Seriöse Sexualwissenschaftler warnen schon lange vor dem Einsatz der externen LSBTIQ-Lobbygruppen an den Schulen, denn die didaktischen Methoden der Pädagogik der sexuellen Vielfalt sind nie wissenschaftlich evaluiert worden. „Für die Tendenz, durch spezielle ’sexualpädagogische Methoden‘ das Thema über den regulären Fachunterricht hinaus zu emotionalisieren und eigenes Erleben von Kindern und Jugendlichen im Unterricht zu aktualisieren, öffentlich zu besprechen und zu beeinflussen, gibt es weder eine wissenschaftlich-pädagogische noch eine gesetzliche Grundlage“, sagt etwa die Sexualerziehungsexpertin Prof. Dr. Karla Etschenberg. Auch der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Sozialwissenschaftliche Sexualforschung, Prof. Dr. Jakob Pastötter, wendet sich gegen die „(Gruppen-) therapeutischen Methoden“ der LSBTIQ-Aktivisten: Für eine „weltanschaulich gefärbte Sexualpädagogik oder externe Sexualpädagogen an Schulen“ gebe es keine Legitimation, „weil Schule in Deutschland gesetzlichen Pflichtcharakter hat“.

Zweifelhafte Qualifikation

Die Auswahl und Qualifizierung des Personals für externe Sexualerziehungsprojekte verdient vor diesem Hintergrund besonders kritische Aufmerksamkeit. Bei der LSBTIQ-Gruppe SCHLAU NRW etwa genügt ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis, ein persönliches Auswahlgespräch, mehrmalige Hospitationen und ein zweitägiges Seminar, um als ausreichend qualifiziert für den sexualpädagogischen Einsatz bei Schülern zu gelten. Immer wieder kommt es zu Skandalen rund um das LSBTIQ-Personal. Ein Sprecher von SCHLAU NRW etwa fiel Ende 2015 durch seine Offenbarung bei Facebook auf, als HIV-Positiver regelmäßig Sex ohne Kondom zu haben, allerdings ohne die Sexualpartner immer auf seine Erkrankung hinzuweisen, da er dank Therapie nicht ansteckend sei. Die Berliner Gruppe Dissens machte 2006 Schlagzeilen, nachdem ihre Mitarbeiter bei einer Projekt-Woche einem selbstbewussten Jungen vorwarfen, er habe eine Scheide und tue nur so, als sei er ein Junge.