Immer häufiger wird der Aufklärungsunterricht an Schulen oder Teile des Unterrichts von sogenannten LSBTIQ-Gruppen durchgeführt – oft ohne die Anwesenheit des Lehrers. LSBTIQ steht für lesbisch, schwul, bi, transsexuell, intersexuell und queer. Queere Bildung will LSBTIQ-Lebensweisen in den Schulen z.B. durch “Authentische Begegnungen mit LSBTIQ*-Aufklärer_innen” erfahrbar machen. In Niedersachsen wird dies u.a. durch folgende Projekte verwirklicht:

AIDS-Hilfe Niedersachsen

Die Aidshilfen verfügen über 12 Beratungsstellen vor Ort und haben laut ihren Standards auch Schüler als Zielgruppe, denn „Jugendliche sind gut über Schulbesuche zu erreichen, weil die übliche Schulsituation aufgebrochen wird und die Schüler/innen dann aufmerksamer sind“. Ziele der Präventionsarbeit mit Jugendlichen sind „Vermittlung der Infektionswege und Schutzmöglichkeiten, Appell an eigenverantwortliches Handeln bei gleichzeitiger Akzeptanz von experimentellem Verhalten Jugendlicher, Antidiskriminierung von Menschen mit HIV/Aids“.

So sieht ein Schulprojekt der AIDS-Hilfe Hannover aus: »Schulpräventionsveranstaltungen (…) werden in der Regel von zwei HIV-positiven ehren-/hauptamtlichen Mitarbeiter*innen durchgeführt, die für ca. 90 Minuten eine Klasse besuchen. Unsere Mitarbeiter*innen sprechen dabei mit den Jugendlichen offen und ehrlich über ihre individuellen Lebens- und Infektionsverläufe (…). Abschließend bekommt jede Schüler*in ein kleines “Paket” mit Handout, Solidaritätsschleifchen und Kondom.«

Die Aids-Hilfe Osnabrück e.V. bietet auf Anfrage Informationsveranstaltungen ab der 8. Jahrgangsstufe. Ziele sind u.a.: „Motivation zur persönlichen Auseinandersetzung mit der eigenen Sexualität und dem Thema Aids fördern, Umfassende Informationen zu HIV und Aids vermitteln, vorhandenes Wissen ergänzen und falsche Vorstellungen korrigieren, Abbau unbegründeter Ängste, Auseinandersetzung mit der Lebenswelt der Betroffenen – Vorurteile hinterfragen, Ein realistisches Bild von Aids in der heutigen Zeit vermitteln, Förderung der Akzeptanz und Solidarität mit Betroffenen“.

Die Schulpräventionsveranstaltungen der Aids-Hilfe Oldenburg e.V. richten sich in erster Linie an Schüler der 9. und 10. Jahrgangsstufe. „Unser Leitbild dabei ist die Vermittlung von Sex³, das heißt sexuelle Vielfalt, sexuelle Selbstbestimmung und sexuelle Gesundheit. Wir arbeiten mit einer akzeptierenden, diskriminierungskritischen Haltung und reden offen und wertschätzend über Themen wie z.B. Sexualität oder auch Drogenkonsum.“

pro familia Niedersachsen

„Sexualität ist ein wichtiger Aspekt menschlichen Wohlbefindens, ein Grundbedürfnis von der Kindheit bis ins hohe Alter und ein Menschenrecht. Sie ist ein lebenslanger individueller Lernprozess mit sich verändernden Fragen und Bedürfnissen. Alle Menschen jeden Alters haben das Recht auf Information und Aufklärung über Körper, Sexualität, Partnerschaft und Schwangerschaft. Dieser rechtebasierte Ansatz bildet die Grundlage unserer Arbeit.“ So oder ähnlich lautet die Einführung zum Thema „sexuelle Bildung“ auf den Internetseiten der einzelnen niedersächsischen Beratungsstellen.

Der Landesverband gibt die Broschüre „Sex und so. Eine Broschüre für Kinder, Jugendliche und Pädagog*innen“ heraus. Darin heißt es:

Was passiert in der Pubertät? Bin ich „normal“? Ab wann darf man Sex haben? Wie echt sind Pornos? Worauf muss ich bei der Verhütung achten? Was tun bei einer Schwangerschaft?
Wenn es um „Sex und so“ geht, haben Kinder und Jugendliche einen enormen Wissensdurst. Die gleichnamige Broschüre beantwortet die Fragen, die den Berater*innen von pro familia Niedersachsen am häufigsten gestellt werden. „Sex und so“ enthält außerdem viele Links zu weiterführendem Infomaterial und Beratungsmöglichkeiten sowie einige Gruppenübungen und Quizfragen, die zur Vorbereitung von sexualpädagogischen Veranstaltungen oder im Unterricht eingesetzt werden können.

Verschiedene der zahlreichen Beratungsstellen von pro familia in Niedersachsen bieten in diesem Sinne Schulprogramme zur „sexuellen Bildung“ an – in der Regel ohne Anwesenheit der Lehrer, so beispielsweise die Beratungsstelle Braunschweig. Weitere Beispiele sind

pro familia Göttingen: „Aufklärung zwischen Playmobil und Pornobildchen – Sexualpädagogik in der Grundschule“

pro familia Hannover: Es werden folgende Themen in Kitas und Schulen behandelt: Körperliche Entwicklung, Schwangerschaft und Geburt, Sexuelle Selbstbestimmung, Verhütung und selbstbestimmte Familienplanung, Gefühle, Bedürfnisse und Grenzen, Liebe und Partnerschaft, Geschlechterrollen und Körperbilder, Vielfalt sexueller Orientierungen und Geschlechtsidentitäten, Prävention von sexualisierter Gewalt, Medien und Pornografie, Sexuell übertragbare Infektionen, HIV/AIDS, Sexuelle und reproduktive Rechte

pro familia WilhelmshavenAls Themen der schulischen Sexualerziehung werden unter anderem genannt: Pubertät, Körperliche Veränderungen, Schwangerschaft und Verhütung, (erste) sexuelle Erfahrungen, Grenzwahrnehmung, Sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität. 

pro familia Osnabrück: Die Beratungsstelle Osnabrück hat verschiedene Angebote der sexuellen Bildung für Schulen: das Grundschulprojekt „Ziggy zeigt Zähne“ für die 3. und 4. Klasse sowie in den Räumlichkeiten von pro familia – ohne Anwesenheit der Lehrer – durchgeführte Angebote ab der 7. Klasse. Zudem verleiht sie – wie andere Beratungsstellen auch – Verhütungsmittelkoffer „für den Einsatz im Unterricht oder für außerschulische Projekte mit Jugendliche“.

SCHLAU Niedersachsen

Im Rahmen seiner „Bildungs- und Antidiskriminierungsarbeit zu geschlechtlicher und sexueller Vielfalt!“ bietet der Verein einen Workshop für Schulen an:

– Dauer: 90-180 Minuten
in Abwesenheit der Lehrer
– durchgeführt von „SCHLAU-Teamer*innen“ mit „eigenen Erfahrungen als Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans* und Inter*“

Methoden: „Das in unseren Workshops verwendete Methodenrepertoire basiert auf der „SCHLAUen Kiste“, einer Methodensammlung die von SCHLAU NRW in Zusammenarbeit mit dem nordrheinwestfälischen Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Alter und Pflege entwickelt wurde. Darin finden sich Methoden der Menschenrechtsbildung, der Antidiskriminierungspädagogik sowie der Pädagogik vielfältiger Lebensweisen.“

Sonstige Projekte

Der Berliner Verein Dissens – Institut für Bildung und Forschung e.V. – „ein anerkannter Träger der Kinder- und Jugendhilfe sowie anerkannter Träger der Bundeszentrale für politische Bildung“ – informiert im Rahmen seines bis 2019 laufenden Projekts Interventionen für geschlechtliche und sexuelle Vielfalt über Schulmaterialien und -projekte.

Das Frauenberatungszentrum Verden bietet Angebote für Mädchen* für Mädchengruppen ab der 7. Klasse u.a. über „Homo- und Bisexualität, Queer sein, Pubertät, Verhütung, Sexualität, (Sexuelle) Identitätsfindung, Schwangerschaftsabbruch“ und lädt ein: „Auch wenn du dich nicht ganz wohl mit der Bezeichnung Mädchen* fühlst, aber meistens so eingeordnet wirst, oder wenn du trans oder nicht-binär bist, bist du bei uns herzlich willkommen!