Immer häufiger wird der Aufklärungsunterricht an Schulen oder Teile des Unterrichts von sogenannten LSBTIQ-Gruppen durchgeführt – oft ohne die Anwesenheit des Lehrers. LSBTIQ steht für lesbisch, schwul, bi, transsexuell, intersexuell und queer. Queere Bildung will LSBTIQ-Lebensweisen in den Schulen z.B. durch “Authentische Begegnungen mit LSBTIQ*-Aufklärer_innen” erfahrbar machen. In Niedersachsen wird dies u.a. durch folgende Projekte verwirklicht:

SCHLAU Niedersachsen

SCHLAU ist in 10 niedersächsischen Städten präsent.

Der Workshop dauert zwischen 90 und 180 Minuten, findet in Abwesenheit der Lehrer statt und wird von Jugendlichen durchgeführt, die selber schwul, lesbisch, bi- oder transsexuell sind:

»[Wir stellen] verschiedene Begriffe vor und besprechen diese mit der Gruppe. Zu den Begriffen zählen verschiedene sexuelle Orientierungen (z.B. heterosexuell, bisexuell), geschlechtliche Identitäten (z.B. trans*, cis, inter*) und damit zusammenhängende Begriffe (z.B. RegenbogenfamilienCSD). Durch einen methodischen Einstieg führen wir in die Themengebiete geschlechtliche Identität, sexuelle Orientierung, Rollenbilder und Diskriminierung ein und bereiten die anschließende Fragerunde grundlegend vor. Im Hauptteil des Workshops bietet die Workshopleitung im biografischen Gespräch Einblicke in Coming-Out, Diskriminierungserfahrungen und die Lebenswirklichkeiten von LSBTIQ*-Personen.«

Kontakt

pro familia

pro familia ist in Niedersachsen in 24 Beratungsstellen präsent.

pro familia organisiert bundesweit Schulveranstaltungen im Bereich Sexualaufklärung. Auf der Webseite sind etliche Texte und Literaturlisten zur Sexualaufklärung sowie Materialien für die Schularbeit, wie z.B. ein Holz-Penis-Set und schmalere Kondome. Eine Auswahl der angesprochenen Themen: sexuelle Orientierungen; psychodynamische Aspekte zu Körper, Lust und Sexualität; Verhütungsmethoden, -mittel und deren Wirkungsweisen; Schwangerschaft und Geburt, Schwangerschaftsabbruch; Pornographie und Prostitution; Transsexualität, Intersexualität.

AIDS-Hilfe Niedersachsen

Die 13 Beratungsstellen der AIDS-Hilfe Niedersachsen bieten auch Sexualaufklärung in Schulen an. Laut ihren Standards sollte die Präventionsarbeit auch „Akzeptanz unterschiedlicher sexueller Orientierung und Lebensstile“ fördern.

So sieht ein Schulprojekt der AIDS-Hilfe Hannover aus: »Schulpräventionsveranstaltungen (…) werden in der Regel von zwei HIV-positiven ehren-/hauptamtlichen Mitarbeiter*innen durchgeführt, die für ca. 90 Minuten eine Klasse besuchen. Unsere Mitarbeiter*innen sprechen dabei mit den Jugendlichen offen und ehrlich über ihre individuellen Lebens- und Infektionsverläufe (…). Abschließend bekommt jede Schüler*in ein kleines “Paket” mit Handout, Solidaritätsschleifchen und Kondom.«

Ähnliche Schulprojekte

  • Blist e.V., ein »Verein zur Förderung der Interessen von Bisexuellen, Lesben, Intersexuellen, Schwulen und Transgender/Transidenten in Lüneburg«, veranstaltet auch Schulaufklärungsprojekte: »(…) das Antidiskiminierungsprojekt „Homophobie und Transphobie beenden“. Infomaterial an Schulen in und um Lüneburg auszulegen bzw. zu verteilen, Workshops an Grundschulen in der 4. Klasse anzubieten sowie kulturelle Aktivitäten auszubauen.«
  • Der Mädchenarbeitskreis und das Frauenbüro Göttingen haben 2016 einen Kompass für Göttinger Schüler erlassen: »Welche Möglichkeiten der Verhütung gibt es? Wie schütze ich mich vor sexuell übertragbaren Krankheiten? Ich bin schwanger – und jetzt? Bin ich lesbisch / schwul / queer?« Hier das Konzept des Beratungsstellenrally für Schulen, das auch „Fragen der sexuellen Orientierung“ aufwirft.
  • Die Stiftung Eine Chance für Kinder führt 20-stündige Aufklärungsprogramme durch, an denen Schüler frei über das 1. Mal, Pille-Danach, Homosexualität, Verhütung reden, Begriffe rund um Sexualität sammeln und am Kondommodell üben können.
  • Das feministische Fraunberatungszentrum Verden bietet auch Aufklärung für Mädchen ab der 7. Klasse an über „Homo- und Bisexualität, Queer sein, Pubertät, Verhütung, Sexualität, (Sexuelle) Identitätsfindung, Schwangerschaftsabbruch“.