Immer häufiger wird der Aufklärungsunterricht an Schulen oder Teile des Unterrichts von sogenannten LSBTIQ-Gruppen durchgeführt – oft ohne die Anwesenheit des Lehrers. LSBTIQ steht für lesbisch, schwul, bi, transsexuell, intersexuell und queer. Queere Bildung will LSBTIQ-Lebensweisen in den Schulen z.B. durch “Authentische Begegnungen mit LSBTIQ*-Aufklärer_innen” erfahrbar machen. In Sachsen wird dies u.a. durch folgende Projekte verwirklicht:

Gerede Dresden

Der »Dresdner Verein für Menschen mit vielfältigen Liebes- und Lebensweisen (z.B. Lesben, Schwule, Bisexuelle und_oder Transidente sowie Inter*)« bietet mehrere Projekte an, darunter LiebesLeben für Schüler ab der 8. Klasse, wo sie offen über „Liebe, Sexualität und Partnerschaft“, sexuelle Orientierungen und Identitäten uvm. reden können. Die ausgewählten Teamer werden wie folgt beschrieben: „Wir arbeiten mit dem peer-education-Ansatz. Unsere Teamer*innen sind junge Menschen, welche ein buntes Spektrum aus homo-, bi-, hetero- und a-sexuellen sowie transidenten Menschen abbilden. Sie stehen Fragen zu ihren verschiedenen Lebensentwürfen und Liebesweisen offen gegenüber.“

Wer mehr über das Schulbildungsprojekt erfahren möchte, findet hierzu den Elterninfobrief.

Die Glitzerkiste ist eine Bücherkiste, für Kinder ab dem Kindergartenalter bis zum Jugendalter gedacht. Sie kann für Schulen, Horte, Kindergärten usw. für den Zeitraum von zwei bis vier Wochen ausgeliehen werden. Die Bücher werden mit folgender Intention ausgewählt: „Wir wollen, dass alle Kinder und Jugendlichen die Möglichkeit haben, sich selbst und ihre Wirklichkeiten in Büchern und Geschichten wiederzufinden und auch einen Einblick in die Lebenswelt von anderen zu erhalten. Darum gibt es die Glitzerkiste: eine Kiste mit Büchern, die viele Geschichten erzählen und Diversität abbilden.“

Themen sind u.a. Trans-, Intersexualität, Regenbogenfamilien, Geschlechterrollen u.v.m.

Das Projekt „Bücherkiste Queerkram“ wurde für Jugendliche und junge Erwachsene konzipiert, eigens deshalb, weil man eine besondere „Queerfeindlichkeit“ in Sachsen festgestellt zu haben meint: „Das Projekt möchte hier insbesondere dabei unterstützen, safer spaces für Jugendliche zu schaffen. „

Rosalinde Leipzig

Rosalinde ist »ein Verein für queere Begegnung, Bildung und Beratung«. Beim vom Freistaat geförderten Projekt „Liebe bekennt Farbe!“ (ab der 5. Kl.) »(…) besuchen junge Menschen (18-27 Jahre), die selbst schwul, lesbisch, bisexuell, asexuell und/oder transident leben, Schulklassen«, um mit den Schülern über sexuelle Identität, Coming-Out, Geschlechterrollen u.v.m. ins Gespräch zu kommen. Während des Workshops finden Rollenspiele statt, in denen die Hälfte der Klasse imaginär in eine Person des gleichen Geschlechts verliebt ist.

Außerdem hilft Rosalinde bei der Gründung von Regenbogen-AGs, in denen Schüler sich „mit Themen rund um sexuelle Orientierungen und Geschlechtlichkeiten auseinandersetzen“ und ggf. in einem Coming-Out-Prozess oder in ihrer „Identitätsfindung“ unterstützt werden können. Die Regenbogen-AGs sollen im schulischen Alltag besonders aktiv sein: In Schülerzeitungen, durch Erstellung von Wandtafeln, mit Aktionen, Filmnachmittagen, Fotoprojekten usw.

different people

Different People bietet zwei Workshops für Schüler an; zum einen Familienbande (1.-5. Klasse):

„Hetero-, homo-, a-, bisexuelle / romantische und trans – oder intergeschlechtliche L(i)ebensrealitäten sind Teil der Gesellschaft. Studien zeigen, dass die sexuelle Entwicklung und das Nachdenken darüber bei den Kindern viel früher einsetzt, als Erwachsene glauben. Wir sensibilisieren für den respektvollen Umgang mit Schimpfwörten und Gefühlen, machen verschiedene Lebensentwürfe sowie Familienkonstellationen begreifbar und stellen diese gleichwertig nebeneinander.“

Außerdem We simply are (ab 14 Jahren), sowie zwei weitere für Pädagogen, Sozialarbeiter, Eltern und Interessierte („Psst…darüber spricht man nicht?!“ und „Jetzt wird mir einiges klar!„) – allesamt vom Freistaat mit Fördermitteln in Höhe von ca. 100.000 Euro pro Jahr finanziert, im Jahr 2002 wurde der Verein gegründet.

Deutsches Hygiene-Museum Dresden

Das Deutsche Hygiene-Museum bietet viele Schulführungen an, auch zum Thema Sexualität: All you need is love ab Klasse 8.

„In diesem Antidiskriminierungsprojekt geht es um sexuelle, romantische und geschlechtliche Vielfalt. Gemeinsam mit den Teilnehmenden sprechen wir darüber, welche gesellschaftlichen Erwartungen es an Liebe, Sexualität und Geschlecht gibt – und wie vielfältig die Realität im Gegensatz dazu aussieht.“

AIDS-Hilfe

Netzwerk für Demokratie und Courage

Auch in Sachsen ist das NDC mit mehreren Workshops und Projekttagen an Schulen aktiv, insbesondere mit dem Projekttag S, „Gleichberechtigung? Von wegen!“ (ab Kl. 8), in dem es hauptsächlich um vermeintlichen Sexismus, um die Infragestellung tradierter Geschlechterrollen, um sexuelle Orientierungen, Coming-Out, „Einblicke in lesbische, bisexuelle und schwule Lebensrealitäten“ geht.

Ähnliche Projekte

  • Girlz Space: Aufklärungsarbeit mit dem Schwerpunkt auf sog. „MINT“, d.h. Mädchen, Inter, Nonbinäre und Trans, die durch den Gruppenunterricht auch in Leipziger Schulen gebracht wird. Kontakt
  • Die Mädchenarbeit Sachsen, bildet vor allem Pädagogen und anderes Fachpersonal zu den Themen Queerness, Geschlechterrollen, Sexualität, Liebe, Verhütung usw. aus. Kontakt
  • Der Arbeitskreis Sexualpädagogik und sexuelle Bildung Leipzig organisiert einen Schülerfilmtag für die Klassen 7-10, in dem die Projektion eines Jugendfilms über das Thema Sexualität von vielfältigen Workshops gefolgt wird. Laut den Grundsätzen des Arbeitkreises plädieren ihre Mitglieder »für die uneingeschränkte Akzeptanz (…) gegenüber einer Vielfalt von Lebensweisen und Geschlechteidentitäten«. Kontakt
  • LEmann ist ebenfalls in Leipzig in der Jungenarbeit aktiv, organisiert Workshops in Schulen sowie das Genderprojekt Schulbibliotheken. Kontakt
  • Das Männernetzwerk Dresden veranstaltet mehrere Workshops, ins. eins über „Identität, Pubertät, Sexualität“, in dem u.a. »Jungen* [sic] bei der Entdeckung, Entfaltung und Reflexion von Identität und Lebenswelt unterstützt werden«. Hier der Kontakt.
  • profamilia ist in 6 Beratungsstellen in Sachsen aktiv: Man kann hier einen Blick ins Konzept zur sexuellen Bildung werfen.
  • Auch das Jugendrotkreuz – die Jugendorganisation des Deutschen Roten Kreuzes – hat für die Grundschule und Sekundarstufe ein entsprechendes Aufklärungsprogramm im Angebot.