Kentlers Pädo-Pädagogik und sein Einfluss auf Pro Familia

Über Jahrzehnte veröffentlichte Pro Familia in ihrem Magazin zahlreiche pädofreundliche Artikel. Darüber hinaus pflegte sie eine enge Zusammenarbeit mit dem umstrittenen Sexualpädagogen und Pädophilenaktivisten Helmut Kentler, der sich zeitlebens für eine Abschaffung der Strafrechtsparagrafen 174 (sexueller Missbrauch von Schutzbefohlenen) und 176 (sexueller Missbrauch von Kindern) einsetzte.

Das Kentler-„Experiment“

In zahlreichen Schriften verharmloste Kentler pädosexuelle Kontakte zwischen Kindern bzw. Jugendlichen und Erwachsenen, an verschiedenen Stellen bezeichnete er diese Übergriffe sogar als förderlich für die Entwicklung der Heranwachsenden. Diese perverse Überzeugung mündete schließlich im sog. Kentler-„Experiment“, das er in seiner Funktion als Leiter der Abteilung „Sozialpädagogik und Erwachsenenbildung“ des Pädagogischen Zentrums in Berlin initiierte. Mit Genehmigung des Berliner Senats wurden dabei Kinder und Jugendliche von den Jugendämtern gezielt in die „Obhut“ vorbestrafter pädophiler Männer vermittelt, die ihre Pflegekinder missbrauchten und vergewaltigten. Einer dieser Männer war Fritz H., bei dem über 30 Jahre lang insgesamt zehn Jungen – das jüngste Kind mit fünf Jahren – untergebracht worden sind. Immer wieder verteidigte Kentler diese „Pflegeväter“ und machte sie mit seinen Gutachten und Stellungnahmen de facto immun gegen Nachfragen und Interventionen von außen.

Das Kind als sexuelles Wesen

Daneben machte sich Kentler vor allem als Sexualpädagoge einen Namen. Er galt damals als der „Obergutachter der Nation in Fragen der sexuellen Erziehung“ (Die Zeit). Mitte der 60er Jahre entwickelte er seine Grundthesen einer „emanzipatorischen Sexualerziehung“, die den Menschen aus den sexuellen Zwängen der Gesellschaft und aus den politischen Zwängen der tradierten Herrschaftsverhältnisse befreien sollte. Nicht mehr die Fortpflanzung sondern der Lustgewinn und nicht mehr die familiären Beziehungen, sondern eine unbegrenzte Selbstbestimmung sollten im Fokus der Sexualerziehung stehen – ganz im Sinne der 68er-Bewegung.

Kentler ging davon aus, dass das Kind von Geburt an ein sexuelles Wesen mit sexuellen Bedürfnissen sei, die aktiviert, befriedigt und erzogen werden müssten, auch von den Eltern: „Voraussetzung dafür, daß Kinder ihre Fähigkeiten überhaupt dazu nutzen Lust zu gewinnen, ist allerdings, daß sie zuvor lustvolle Erlebnisse im Zusammensein mit Mutter und Vater haben durften.“ (aus: Eltern lernen Sexualerziehung)

Kentler pflegte enge Verbindungen zu Pro Familia

Schon in den 60er Jahren gab es zwischen Pro Familia und Helmut Kentler enge Kontakte: 1968 referierte Kentler beispielsweise auf der Bundesmitgliederversammlung von Pro Familia über seine 10 „Thesen zu einer nichtrepressiven Sexualerziehung“. Das blieb nicht folgenlos, wie eine Studie zu Pro Familia belegt: Bei der Entwicklung eigener Thesen zur Sexualerziehung formulierte Pro Familia diese „in enger Anlehnung“ an Kentlers Thesen. Ab diesem Zeitpunkt wurde die sexualpädagogische Arbeit von Pro Familia von Ideen getragen, die direkt der pädofreundlichen Einstellung Kentlers entstammten. Als maßgebliche Ziele galten Selbstbestimmung und maximaler Lustgewinn sowie das Hinterfragen dessen, „was sexuell ‚normal‘ und was ‚abnormal‘ ist“. Wie Kentler ist auch die Sexualpädagogik von Pro Familia von der Überzeugung geleitet, dass Kinder sexuelle Wesen seien, wie die Broschüre Kinderspiegel aus den 70er deutlich macht. Bis heute bilden diese äußerst fragwürdigen und unwissenschaftlichen Grundsätze das Fundament der sexualpädagogischen Arbeit von Pro Familia. Eine weitere Veröffentlichung Kentlers wurde 1977 von Pro Familia zum Anlass genommen, die eigenen Thesen noch einmal in dessen Sinne zu überarbeiten.

Kentler genoss bei Pro Familia hohes Ansehen und großes Vertrauen. Für das Verbandsmagazin schrieb er bis in die 90er Jahre hinein mindestens 19 Beiträge. Er war ein gefragter Berater, referierte auf Fachtagungen und Weiterbildungsveranstaltungen und schrieb diverse Stellungnahmen. „Noch im Jahr 2000 hat der Bundesverband zugelassen, dass Helmut Kentler unkommentiert Dokumente für die Publikation „Grundlagentexte zur Sexualforschung und Sexualerziehung“ über kindliche Sexualität für Fachkräfte zusammenstellen konnte” musste Pro Familia 2019 in einer Stellungnahme zu Kentler eingestehen. Das Verbandsmagazin bezeichnete ihn 1997 huldigend als “Nestor der emanzipatorischen Sexualpädagogik” und bestätigte damit, dass Kentler und Pro Familia aufs Engste verknüpft waren.

Verbrecherische Ideen Kentlers waren Pro Familia bekannt

Dabei gab es schon lange Zeit vorher deutliche Anzeichen, dass Kentler pädofreundliche Positionen vertrat. So war z.B. Kentlers aktive Mitgliedschaft in der Arbeitsgemeinschaft Humane Sexualität (AHS), die sich für straffreie „einvernehmliche“ pädophile Kontakte einsetzte, innerhalb von Pro Familia durchaus bekannt. Dies wurde jedoch nie zum Anlass genommen, Kentlers Person und Thesen in Frage zu stellen. Bereits 1976 wandte sich der Landesverband Niedersachsen mit einer scharfen Kritik zu Kentlers emanzipatorischer Sexualerziehung an den Bundesverband: „Die von der emanzipatorischen Sexualerziehung vertretene Interpretation der Kindersexualität und der damit verbundenen gesellschaftlichen Probleme stimmen nicht mit den Grundsätzen der pro familia überein, da sie u.a. sexuelle Kontakte von Erwachsenen mit Kindern wissenschaftlich für vertretbar hält und für die psychosexuelle Entwicklung des Kindes als unschädlich ansieht“.

In seiner Antwort darauf verteidigte der Bundesverband die emanzipatorische Sexualpädagogik ohne sich auch nur im Ansatz mit dem begründeten Vorwurf der Begünstigung von Pädophilie auseinander zu setzen. In der Stellungnahme hieß es dazu lapidar, „dass die emanzipatorische Sexualerziehung von ganz unterschiedlichen Wissenschaftler/innen entwickelt und vertreten wurde und Kentler lediglich für eine Position steht“.

Fragwürdiger Umgang von Pro Familia mit Kentlers Erbe

Ende der 90er Jahre ging Pro Familia endlich dazu über, Pädophilie deutlich und in allen Fällen zu verurteilen. Die Zusammenarbeit mit Kentler ging allerdings weiter. Noch 2008 würdigte Pro Familia mit einem Nachruf den verstorbenen Professor und dessen „profunde Fachkenntnis“, die „zur inhaltlichen Gestaltung einer Unmenge von Broschüren und Faltblättern“ beigetragen hätte. Die heftige Kritik, die z.B. die Zeitschrift Emma bereits 1993 an Kentler wegen seiner pädofreundlichen Thesen übte, fand im Nachruf immerhin Erwähnung, hinderte den Verband aber keineswegs daran, ihn „als engagierten Verfechter einer offenen Sexualmoral in ehrendem Gedächtnis [zu] behalten“.

Erst 2017 warf Michael Altmann beim Verbandstag die Frage nach dem Umgang von Pro Familia mit dem Erbe Kentlers auf: „Wie geht der Verband mit Helmut Kentler um, dessen sexualpädagogische Ansätze und Methoden die Arbeit des Verbandes immer noch prägen? Wer ist bereit, die Veränderungen der Arbeit im Verband von der anfangs „emanzipatorischen Sexualpädagogik“ hin zum Konzept der Sexuellen Bildung zu reflektieren?“ Dazu war und ist Pro Familia ganz offensichtlich nicht bereit.

In einer 2019 veröffentlichten Stellungnahme zu Helmut Kentler distanzierte sich der Verband immerhin von den pädofreundlichen Positionen Kentlers, stellte aber die Prinzipien der Sexualpädagogik, die zum großen Teil auf Kentler und dessen pädokriminelles Gedankengut zurückgehen, keineswegs in Frage. Daran hat sich auch bis zum heutigen Tag nichts geändert. Kindliche Sexualität, unbegrenzte Selbstbestimmung, Kritik an tradierten Geschlechterrollen, Lernen durch Tun, Maximierung der Lust sind noch immer die Basis der Aufklärungsarbeit von Pro Familia an Schulen und in Kitas.

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